Sport + Herz = Sportlerherz?

Den heutigen Artikel hat Astrid, eine unserer neuen Blog-Writerinnen, verfasst. Mehr Infos über sie, findet ihr hier. Wir freuen uns sie im Team begrüßen zu können!



Ihr wollt mehr darüber wissen warum Sport gesund ist und in unserer Natur liegt? Was steckt hinter dem Begriff „Sportlerherz“ und wie gut tut Sport meinem Körper, besonders bei angeborenen oder erworbenen Herzfehlern? [1,2]


Im Kindesalter bewegen wir uns grundsätzlich lieber und öfter als im Erwachsenenalter. Warum ist das so? Das hängt von vielen Faktoren ab. Einer davon ist der Faktor Zeit. Spannenderweise sind auch in mancherlei Hinsicht die körperlichen Voraussetzungen bei Kindern vorteilhafter als bei Erwachsenen. In einer Studie, bei der die Leistungsfähigkeit von Kindern untersucht wurde, wurde festgestellt, dass Kinder in manchen Testkategorien ähnliche oder sogar bessere Leistungsfähigkeit als Leistungssportler erzielen. Die Ermüdungserscheinungen bei ausdauernder Bewegung treten bei Kindern erst später ein und ihr Puls nach Ausdauersport normalisiert sich schneller wieder. [3] Ein weiterer spannender Fakt ist, dass Kinder pro Kilogramm Körpergewicht mehr Energie umwandeln können als ein Erwachsener. Im Schnitt schafft es ein Kind in etwa 10% mehr Energie pro Kilogramm Körpergewicht umzuwandeln. Aber wichtiger noch, Kinder haben Spaß an der Bewegung und müssen stetig ihrem Bewegungsdrang nachgehen. Bereits von der anatomischen Beschreibung unseres Körpers, dem Begriff “Bewegungsapparat”, lässt sich einfach ableiten wozu unser Körper geschaffen wurde. Nämlich als Apparat für die Bewegung.


Ein weiterer Hinweis, der das belegt, liegt direkt in der notwendigen Fitness für das Überleben unserer Vorfahren, den homo erectus. Fun Fact, unsere Vorfahren hatten in etwa 30% mehr Muskelmasse als der moderne Mensch heute. Dafür war allerdings auch ihr Gehirn viel kleiner. Ganz nach dem Motto, "was man nicht im Kopf hatte, hatte man in den Beinen". Aber Spaß beiseite, sie brauchten diese erhöhte Muskelmasse, denn sie mussten sich ihr Essen früher ja auch selber erlegen. Dafür mussten sie ausdauernde Schnelligkeit und Geschick bei der Jagd unter Beweis stellen. Kurz und bündig, erst der Sport und dann das Vergnügen.


Astrids Sportlerherz

Was ist nun der große Vorteil an körperlicher Bewegung? Sport hält uns mental und körperlich fit. [4] Es ist erwiesen, dass durch ausdauernde Bewegung, wie Laufen in unserem Körper Botenstoffe wie Endorphine erzeugt und freigesetzt werden. Endorphine sind Neurotransmitter, welche sich positiv auf unseren Gemütszustand auswirken. Anders gesagt sind Endorphine Botenstoffe, die uns Glücksgefühle verleihen. [5] Aus persönlicher Erfahrung, kann ich berichten, dass mir Ausdauersport sehr dabei hilft Stress abzubauen und ich danach auch glücklicher bin. Es ist auch beschrieben wie positiv sich gute Laune und Lachen auf unsere Gesundheit auswirkt und unser Leben sogar dadurch verlängert werden könnte. Wir haben hierüber auch einen Blogartikel verfasst. [6]


Laut Statistik Austria, sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) in Österreich eine der beiden häufigsten Todesursachen. Regelrecht 40% aller erfassten Todesursachen machten sowohl HKE und Krebs aus im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2020. Dieser Wert ist in den vergangen beiden Jahren, 2020 und 2021, leicht gesunken im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie. [11] Woran das genau liegt, muss erst durch Studien festgestellt werden. Aber könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass die Einschränkungen durch die Pandemie in der Bevölkerung vielleicht auch vermehrt einen Trend zu Sport ausgelöst haben? Dass Sport nicht nur gesund ist, sondern auch HKE vorbeugen kann ist bereits bewiesen. Daher wird Sport auch als Präventionstherapie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfohlen und eingesetzt. [7] Die Restriktionen haben uns somit eventuell einfach Zeit verschafft für gesundheitsfördernde Aktivitäten und einen Ausgleich. Nur wie gesagt, müsste das mit einer gesonderten Studie erhoben werden.


Was ist dran an der Aussage “Sport ist Mord”?

Nun denn, jeder von uns kennt die sich bewahrheiteten Weisheiten rund um Sport. „Sport fördert die Gesundheit“ oder, „Ausdauersport ist gut für das Herz-Kreislauf System“. Aber kann es nun auch zu viel Sport und Bewegung für die Gesundheit sein? Quasi “Sport ist Mord”?


Glaubt man Bertolt Brecht, der sagte „Der große Sport fängt da an, wo er längst aufgehört hat, gesund zu sein“, dann lautet die Antwort auf die Frage, Ja. Unter Hochleistungsathleten ist der Begriff des Sportlerherzens wohl bekannt. Ist das nun eine gute oder eine schlechte Sache?

Unter einem Sportlerherz versteht man diverse Veränderung des Herzens, ausgelöst durch regelmäßige und intensive sportliche Betätigung auf Leistungssportlevel. Die Definition für regelmäßig liegt hier bei mehr bzw. länger als 6 Stunden Intensivsport pro Woche. Diese Veränderungen beziehen sich auf die Struktur und Funktion des Herzens. Nicht selten äußern sich diese Veränderungen in Form von einer abnormen, nicht krankhaften Gewebsvergrößerung (Hypertrophie) der linken Herzkammer (Ventrikel). Der Fachbegriff dafür lautet, linksventrikuläre Hypertrophie (LVH) oder auch Linksherzhypertrophie genannt. [9] Ein Sportlerherz entsteht aufgrund von intensivem und regelmäßigem Ausdauer- oder Krafttraining. Durch das intensive Training des Herzens wächst der Herzmuskel und wird dadurch größer. Diese physiologische Vergrößerung des Herzmuskels bringt eine verbesserte Pumpleistung des Blutes mit sich. Die verbesserte Pumpleistung des Herzens liegt der Zunahme des Schlagvolumens und des Füllvolumens des linken Ventrikels zugrunde. Was wiederum ein riesen Vorteil ist, denn dadurch ist die aerobe Kapazität (die Sauerstoffaufnahme) und der Sauerstoffverbrauch der Skelettmuskulatur gesteigert. Eine weitere Folge des Sportlerherzens ist die Verminderung der Herzfrequenz. Durch das Sportlerherz weist der Körper bei geringerer Herzfrequenz eine gleich bleibende Sauerstoff Kapazität auf. Das bedeutet durch die gesteigerte Pumpleistung kann das Herz mit verringerter Frequenz arbeiten und dennoch wird der Körper optimal mit Sauerstoff versorgt. Die Bildung eines Sportlerherzens ist also eine natürliche Anpassung des Herzens an überdurchschnittliches Training, die sogar den Vorteil einer gesteigerten Herzleistung mit sich bringt. Die gesteigerte Herzleistung ist wiederum von Vorteil für die Performance beim Sport. [1]


Aber wann wird es nun wirklich gefährlich für die Gesundheit eines Athleten? Wenn ein Leistungssportler eine nicht diagnostizierte Vorerkrankung des Herzens hat und zusätzlich ein Sportlerherz ausbildet, kann es lebensbedrohlich werden. Das Problem liegt in der Diagnostik. Es ist oftmals sehr schwierig zu unterscheiden zwischen sportbedingten Herzveränderungen und bereits dagewesenen Herzerkrankungen. [1] Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) ist eine Herzkrankheit, die nicht einfach von einem Sportlerherzen zu unterscheiden ist, da ein Sportlerherz eine sehr ähnliche Ausprägungsform annehmen kann. Allerdings liegt die Ursache für HCM meist in einem genetischen Defekt. [10] Zusätzlich wird die Diagnostik verkompliziert, da bei einer Fehldiagnose ein kompetitiver Athlet fälschlicherweise disqualifiziert werden könnte. Auf diesem Gebiet stellen sich der Wissenschaft noch viele Fragen. Was ist der tatsächliche Grund für plötzliches Herzversagen bei Leistungssportlern? Um diese und auch weitere Fragen klären zu können, müssen noch vermehrt Daten zu solchen Fällen erhoben werden. [8]


Aber kein Grund zur Sorge, selbst bei sehr starken Ausprägungsformen der LVH bei Herzvorerkrankungen gibt es erfolgreiche Therapien. Unter anderem sollte man dann auch weniger Sport ausüben. Diese Behandlungen führen durch ärztlich verordnete Sportrestriktionen wieder zu Rückbildungen der LHV. Und, solange man Sport nicht auf Hochleistungsniveau betreibt, kann man erleichtert Durchschnaufen. Dann ist man diesem Risiko ohnehin nicht ausgesetzt.


Also rein in die Sportklamotten und los geht´s!



Sportliche Grüße,


Astrid


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Quellen:
[1] J. Lauschke, B. Maisch, Clin. Res. Cardiol. 2009, 98, 80–88.
[2] T. Takken, A. Giardini, T. Reybrouck, M. Gewillig, H. H. Hövels-Gürich, P. E. Longmuir, B. W. McCrindle, S. M. Paridon, A. Hager, Eur. J. Prev. Cardiol. 2012, 19, 1034–1065.
[3] A. Birat, P. Bourdier, E. Piponnier, A. J. Blazevich, H. Maciejewski, P. Duché, S. Ratel, Front. Physiol. 2018, 9, 1–12.
[4] R. Eujen, Sport Und Gesundheit., 1988.
[5] R. R. Yeung, 2003, 40, 1–19.
[6] Maggie, “Wie Optimismus und Lachen uns vor einem Herzinfarkt bewahren könnte,” can be found under https://www.herzaehlungen.at/post/wie-optimismus-und-lachen-uns-vor-einem-herzinfarkt-bewahren-könnte, 2022.
[7] J. Perk, G. De Backer, H. Gohlke, et al. Eur. Heart J. 2012, 33, 1635–1701.
[8] H. Dores, A. Freitas, A. Malhotra, M. Mendes, S. Sharma, Rev. Port. Cardiol. 2015, 34, 51–64.
[9] A. L. Baggish, K. Yared, F. Wang, R. B. Weiner, A. M. Hutter, M. H. Picard, M. J. Wood, Am. J. Physiol. - Hear. Circ. Physiol. 2008, 295, 1109–1116.
[10] M. M. Wasfy, R. B. Weiner, Curr. Opin. Cardiol. 2015, 30, 500–505.
[11] https://tinyurl.com/2b3nmb2u

Bildquellen: Bild 1&3 - Astrid Radkohl, Bild 2 - www.freepik.com (lizensiert)