Die Macht der Geschichten


„Kindern erzählt man Geschichten, damit sie einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen.“ ~ Jorge Bucay ~

Als ich dieses Projekt startete habe ich mir viele Gedanken dazu gemacht, wie ich Menschen – also euch – mit meinem Herzens- und gleichzeitig Wissenschaftsthema erreichen kann.


Ich beschäftige mich nun seit über 18 Jahren mit Forschung und Wissenschaft, wodurch mir viele Wissenschaftsthemen sehr vertraut sind. Faktenbasierte Wissensvermittlung? Kann ich.

Für die meisten Menschen befindet sich Wissenschaft jedoch außerhalb ihres persönlichen Erfahrungsbereichs. Man ist deshalb von Quellen abhängig, um sich zu informieren und Wissenschaft zu interpretieren (1). Das Internet macht es einem einfach Informationen abzurufen und ist deshalb die bevorzugte Quelle sich Wissen zu verschaffen. Trotzdem nimmt unser Wissen nicht zu – oftmals ist es nur ein schneller, oberflächlicher Informationsaustausch, der sich nicht in unserem Gedächtnis verankert (2). Über die Verbreitung von Fake-News und pseudo-wissenschaftlichen Inhalten brauchen wir in der heutigen Zeit gar nicht erst anzufangen.


Was könnte also die Alternative zu diesen oberflächlichen Informationen sein? Und wie können Wissenschaftler*innen zwar Fakten vermitteln, jedoch so, dass diese in der auch Öffentlichkeit ankommen und hängen bleiben?


Erinnert ihr euch an die Geschichten, die euch als Kind erzählt wurden? Ich kann mich sehr gut an Geschichten erinnern, die mir im Kindergarten vorgelesen wurden, wie zum Beispiel die Geschichte der Raupe Nimmersatt und ihrer Entwicklung von der gefräßigen Raupe zum wunderschönen Schmetterling. Was habe ich damals gelernt? Dass sich aus Raupen Schmetterlinge entwickeln. Dass diese Entwicklung eine Zeitlang dauert. Und dass eine Raupe ganz schön viel fressen muss, damit das Ganze funktioniert (ob es tatsächlich Eis und Kuchen sein muss, sei jetzt dahin gestellt und wohl eher der künstlerischen Freiheit als der Wissenschaft geschuldet).


Geschichten wurden schon jeher zur Wissensvermittlung eingesetzt. Sie machen komplexe Zusammenhänge leichter verständlich, erzeugen Interesse bei den Zuhörern und steigern persönliche Anteilnahme und Beteiligung. Man erinnert sich nachweislich besser an Inhalte, die durch Erzählungen vermittelt wurden, weil durch das „aktive Erleben“ das Gehörte eher verfestigt wird. Es fällt uns leichter in Inhalte einzutauchen und uns Vorstellungen zu gewissen Themen zu machen (1). Deshalb habe ich (persönliche) Geschichten als Anknüpfungspunkt zur Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte genommen.


Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind ein emotionsgeladenes Thema. Daher ist es wichtig die emotionale Komponente bei der Wissensvermittlung nicht zu vernachlässigen. Ein Thema, dass eine Gefühlsregung in uns hervorruft, kann eine Bewusstseinsänderung erzeugen (3). Dass solche Geschichten wirklich einen Einfluss haben, wurde unter anderem in einer amerikanischen Studie gezeigt, bei der Patient*innen mit Bluthochdruck dazu aufgefordert wurden ihre persönlichen Erfahrungen mit anderen Patient*innen in Form von kurzen Videos zu teilen. Die Ergebnisse zeigten, dass diese auf Grund dieser persönliche Erzählungen nachweislich besser auf ihren eigenen Blutdruck achteten und auch ihre Medikamente regelmäßiger nahmen (4,5).


Jeder Mensch hat Geschichten zu erzählen. Geschichten machen uns zu dem, was wir sind. Sie ermutigen uns Dinge zu tun oder schrecken uns davor ab einen gewissen Weg einzuschlagen. Geschichten berühren sozusagen Herz und Hirn.


Wissenschaftler*innen sind dabei keine Ausnahme. Oft sind es persönliche Geschichten, die die Forschung beeinflussen oder dazu motivieren bestimmte Denkansätze zu verfolgen. Auch die Forschung selbst ist voller Geschichten – Geschichten über Erfolg und Niederlage, über Höhen und Tiefen. Die Bevölkerung bekommt von diesen Geschichten meist nur das Ergebnis präsentiert – die neue Erkenntnis, die neue Maßnahme, das neue Medikament. Der Weg, wie Wissenschaftler*innen zu diesen Errungenschaften gelangen, wird in den meisten Fällen nicht kommuniziert. Es ist deshalb umso wichtiger persönliche Erzählungen von Wissenschaftler*innen an die Öffentlichkeit zu tragen, um Vorurteile, wie die der unnahbaren Wissenschaftler*innen oder der komplizierten Forschung, abzubauen. Das führt nicht zu einer Abwertung der wissenschaftlichen Inhalte, sondern schafft einen zusätzlichen Wert. Was denkst du?


Es sind also unsere Geschichten, die uns ausmachen, lehren, inspirieren, fordern und verändern. Und auch die Fakten sprechen dafür - Geschichten haben die Macht Bewusstsein zu verändern und Wissen zu vermitteln - besonders wichtige Aspekte bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen!


Möchtest du teil dieser Veränderung sein? Teile deine Geschichte(n) mit uns!


HERZlichst, Ariane

Quellen:


1. Dahlstrom, M. F. Using narratives and storytelling to communicate science with nonexpert audiences. Proc Natl Acad Sci U S A 111 Suppl 4, 13614-13620, doi:10.1073/pnas.1320645111 (2014).

2. Sammer, P. Storytelling - Die Zukunft von PR und Marketing. (O'Reilly, 2014).

3. D. Jones, M. & Anderson Crow, D. How can we use the ‘science of stories’ to produce persuasive scientific stories? Palgrave Communications 3, 53, doi:10.1057/s41599-017-0047-7 (2017).

4. Houston, T. K. et al. Culturally appropriate storytelling to improve blood pressure: a randomized trial. Ann Intern Med 154, 77-84, doi:10.7326/0003-4819-154-2-201101180-00004 (2011).

5. Fix, G. M. et al. A novel process for integrating patient stories into patient education interventions: incorporating lessons from theater arts. Patient Educ Couns 88, 455-459, doi:10.1016/j.pec.2012.06.012 (2012).