Aus dem Takt: Meine Herzrhythmusstörungen mit 21

Team HERZählungen wächst - dies ist der erste Beitrag unserer neuen Blogwriterin.

Marie, herzähl mal:

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Wir kennen es alle: Das Herz rast. Die Gründe dafür sind vielfältig - Wir erschrecken uns, stecken mitten in einer stressigen Situation oder sind einfach aufgeregt, weil gleich eine wichtige Prüfung ansteht. Man fühlt sich vielleicht auch ein bisschen schummrig und der Kopf scheint plötzlich ganz leer. So gehts zumindest mir.


Soweit ganz normal, richtig? Als junger Mensch denkt man sich nichts dabei.


Aber was passiert eigentlich, wenn dieses Herzrasen, und gegebenenfalls zusätzlich auch Herz-Aussetzer, ganz ohne Grund auftreten? Wenn man sich Anfang 20 am Treppengeländer abstützen muss? Und die 70-jährige Nachbarin die Wendeltreppe hoch an einem vorbeizieht, während man selbst nur mit einigen Pausen in den dritten Stock kommt?


Natürlich kann das viele Gründe haben. In meinem Fall lautete die Diagnose: Herzrhythmusstörungen.


Tatsächlich sind sich viele Menschen nicht bewusst, dass auch junge Leute Herzprobleme haben können. Vor allem, wenn keine Vorerkrankungen bekannt sind, ist das ungewöhnlich. Genau deshalb werde ich in diesem Artikel kurz beschreiben, wie das Ganze bei mir ablief.


Und wie ich meine Herzrhythmusstörung am Ende erfolgreich wieder losgeworden bin.


So fing alles an


Eines Tages, kurz nach meinem 21. Geburtstag, merkte ich ein Druckgefühl in der Brust. Als könnte ich nicht zu 100% durchatmen. Zusätzlich spürte ich, wie mein Herz von Zeit zu Zeit raste und stolperte.

Irgendetwas stimmte nicht: Ich war doch immer gesund und konnte mir das alles einfach nicht erklären.


Trotzdem gab ich mir in der nächsten Zeit Mühe, ruhig zu bleiben (was mit Herzrasen gar nicht so einfach ist) und dachte darüber nach, was die Ursache sein könnte.


Hatte ich zu viel Kaffee getrunken?

Schlafmangel?

Stress?


Oder war es doch etwas Schlimmeres?


STOP.


Sorgen und Symptome googlen bringen mich überhaupt nicht weiter.

Ich machte also einen Termin bei meinem Hausarzt. Dieser hörte sich meine Schilderungen an und nachdem er unter anderem einen Lungenfunktionstest gemacht hatte (unauffällig), ordnete er ein EKG an.

 

Was ist ein EKG?


Ein Elektrokardiogramm (EKG) zeichnet die elektrischen Signale des Herzens auf. So kann untersucht werden kann, inwiefern der Herzschlag vom normalen Sinusrhythmus abweicht.

Oft kann anhand charakteristischer Wellen und Zacken der Herzaktion bereits eine Vermutung über den Ursprung der Herzrhythmusstörungen getroffen werden. Wenn die Rhythmusstörungen nur vereinzelt auftreten, kann auch ein 24h-EKG durchgeführt werden (3).

 

Ich erinnere mich, wie die Sprechstundenhilfe mich stirnrunzelnd anschaute und mich frage, was ich denn mit meinem Herzschlag angestellt hätte. Daraufhin bekam ich eine Überweisung zum Kardiologen.


Der Kardiologe machte ein Ultraschall meines Herzens und ein weiteres EKG.

Diagnose: Herzrhythmusstörungen.


Wie geht man mit Anfang 20 mit dieser Diagnose um?

Ich hatte schon in der Zwischenzeit gemerkt, wie ich immer schneller außer Atem geriet, mich nicht konzentrieren konnte und ohnehin immer müde war. Sport war nicht möglich, ich war froh, wenn ich die bereits erwähnte Treppe in den dritten Stock schaffte. Eigentlich wollte ich gerade mit meiner Bachelorarbeit anfangen, aber ich war nicht fähig, länger als eine Stunde am Tag zu arbeiten. Es war weder möglich, so lange am Stück am Schreibtisch zu sitzen, geschweige denn, sich auch noch zu konzentrieren.


Zum verrückt werden!

 

Was sind eigentlich Herzrhythmusstörungen?

Bei Herzrhythmusstörungen ist das Herz genau das: Aus dem Rhythmus. Das kann verschiedene Gründe haben und sich somit auch ganz unterschiedlich äußern. Beispiele dafür sind z.B. Extra-Herzschläge, Herzaussetzer und Herzrasen. Nicht alle Herzrhythmusstörungen müssen behandelt werden oder fallen überhaupt auf. Ob eine Behandlung erfolgt, hängt daher mit dem Leidensdruck der Patient*innen zusammen (3).

 

Wie konnte ich eigentlich was am Herzen haben?

Eine Herzerkrankung konnte anhand des Ultraschalls als Ursache ausgeschlossen werden. Auch in meiner Familie sind keine Fälle von Herzproblemen bekannt. Es war also kein eindeutiger Grund für meinen Zustand ersichtlich.


Beim Kardiologen wurde mir vorerst geraten, Stress zu vermeiden, auf Alkohol und Koffein zu verzichten und mich nicht zu überanstrengen. Außerdem bekam ich - niedrig dosiert - sogenannte Betablocker. Niedrig dosiert nicht zuletzt deshalb, weil Betablocker den Blutdruck senken. Da Frauen ohnehin häufig einen niedrigen Blutdruck haben, muss man mit der Dosierung gut aufpassen (1).

Der Krankenhausaufenthalt


Das Ganze belastete mein Leben immer mehr. Manchmal wachte ich durch nächtliches Herzrasen auf oder musste Verabredungen absagen, weil ich mich an diesem Tag besonders schwach fühlte.

Da ich neben dem Studium auch noch arbeitete, musste ich meine Energie gut einteilen, und meist war pro Tag nur ein Task möglich. Ein komisches Gefühl, sich dauernd zwischen Aktivitäten entscheiden zu müssen. Natürlich hatte ich oft ein schlechtes Gewissen, doch mein Umfeld hatte durchweg Verständnis für meine Situation. In diesem Zusammenhang musste ich mir also zum Glück keine Sorgen machen :)


Trotzdem konnte es so nicht bleiben.


Bereits bei unserem ersten Termin hatte mir mein Kardiologe zwei Möglichkeiten vorgeschlagen: Betablocker oder eine sogenannte Katheterablation.

Zuerst probierten wir die Betablocker aus. Ich wollte nicht ins Krankenhaus (so eine Herz-OP klingt ja auch ganz schön gruselig) und hoffte, dass sich mit der Medikation eine Besserung einstellen würde. Dies passierte jedoch nicht.


Nach einigen Wochen vereinbarten wir daher einen zweiten Termin, und ich entschied mich für die Ablation. Meine Lebensqualität litt einfach zu sehr unter den Herzrhythmusstörungen. Natürlich hatte ich noch immer Angst vor dem Eingriff - aber der Leidensdruck war größer.


Glücklicherweise bekam ich einen zeitnahen Termin im Krankenhaus und durfte auch die Bearbeitungszeit meiner Bachelorarbeit ein wenig verlängern. So konnte ich mich erstmal aufs Gesundwerden konzentrieren.

 

Was ist eine Katheterablation?


Bei einer Katheterablation wird ein Katheter (mit Metallelektroden an der Spitze) nahe der Leiste eingeführt und bis zum Herzmuskel geleitet. Dort wird die Stelle, welche die Herzrhythmusstörungen auslöst, lokalisiert. Hat man herausgefunden, woher das Signal kommt, wird dieses Gewebe mithilfe der Metallelektroden (entweder durch Hitze oder Kälte) verödet und kann das Signal nicht mehr abgeben (2) (3).

 

Natürlich war ich vor meinem Krankenhausaufenthalt nervös. Wer ist das nicht, vor einem Eingriff am Herzen?

Ich teilte mir das Krankenhauszimmer mit drei netten älteren Damen um die 80. Da ich die mit Abstand Jüngste auf der Station war, durfte ich einige Male erklären, was genau mich in diesem Alter auf die kardiologische Station geführt hatte. Als junger Mensch auf der Kardiologie fühlte ich mich wie der sprichwörtliche bunte Hund.


Die Ablationsuntersuchung fand am Tag nach der Einweisung unter Sedierung statt. Der Eingriff verlief ohne Zwischenfälle und das Gewebe, welches vermutlich für die Rhythmusstörungen verantwortlich gewesen war, konnte verödet werden.

An Tag 3 durfte ich das Krankenhaus schon wieder verlassen. Dabei hatte ich die Anweisung mich zu schonen, keinen Sport zu machen und das schwere Heben Anderen zu überlassen. Schon jetzt spürte ich, wie mein Herz wieder „normal“ schlug. Lustig, wie ich mich in den vergangenen Monaten an ein wild unregelmäßig schlagendes Herz gewöhnt hatte. Erst jetzt fiel mir wieder auf, wie sich so ein Sinusrhythmus anzufühlen hatte.


Und dann ging es nur noch bergauf:

Nach ein paar Tagen der Erholung ging es mir deutlich besser. Meine Kondition kehrte zurück, ich konnte mich plötzlich wieder konzentrieren und meine Bachelorarbeit stellte ich auch erfolgreich fertig.

Auf einmal sah ich wieder so viele Möglichkeiten! In den ersten Wochen nach der Krankenhausentlassung freute ich mich täglich über meine wiedergewonnene (Herz-)Gesundheit.

Mein Fazit


Selbstverständlich lautet mein Fazit zu den Herzrhythmusstörung: Don’t approve. Brauch ich nicht wieder. 0 von 5 Sternen. Das überrascht dich wahrscheinlich wenig.


Allerdings kann ich rückblickend, nach erfolgreicher Therapie, auch etwas Gutes daraus mitnehmen. Damals habe ich mir oft gedacht: Wenn das irgendwann mal vorbei ist, nutze ich meine Möglichkeiten noch besser aus. Gehe wieder tanzen, steige auf Berge, powere mich beim Sport richtig aus. Nehme meine körperliche Fitness nicht einfach als gegeben hin, denn auch junge Menschen können, aus welchen Gründen auch immer, ihre Ausdauer für kurze Zeit oder sogar für immer verlieren. Von den Konzentrationsschwierigkeiten und der Müdigkeit mal ganz zu schweigen.

Und weißt du was? Genau das hab ich auch gemacht. Fühlt sich ganz hervorragend an :) Die Diagnose Herzrhythmusstörungen hat mein Leben zwar kurzzeitig aus dem Takt gebracht, aber heute geht es mir dafür umso besser.


Und wenn du als junger Mensch mal das Gefühl hast, dass irgendetwas mit deinem Herzen nicht stimmt: Nimm dein Gefühl ernst und frag jemanden, der sich damit auskennt (nicht das Internet!). Und falls du ganz allgemein wissen möchtest, wie du herzgesünder leben und deine Motivation auch langfristig aufrechterhalten kannst, dann schau mal in diesen Artikel.


Herzlichst, Marie

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Wir danken unserer neuen Blogwriterin Marie für ihre HERZählung! Marie ist 24 Jahre alt und studiert Ernährungswissenschaften in Wien. Sie freut sich darauf in Zukunft viele weitere, spannende Artikel rund ums Herz zu verfassen :)! Wir freuen uns auch!


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Quellen:

  1. Betablocker: Wirkung und Nebenwirkungen | Herzstiftung (2022). Online verfügbar unter https://www.herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/gerinnungshemmung-und-medikamente/betablocker

  2. Mewis, Christian; Riessen, Reimer; Spyridopoulos, Ioakim (Hg.) (2006): Kardiologie compact. Alles für Station und Facharztprüfung. 2. unveränderte Auflage 157 Abbildungen, 189 Tabellen. Stuttgart: Thieme.

  3. Scholz, Manfred (2003): Ratgeber Herzrhythmusstörungen. Erkennen, Verstehen, Behandeln. Heidelberg: Dietrich Steinkopff.

  4. Vorhofflimmern: Behandlung mit Katheterablation | Herzstiftung (2022). Online verfügbar unter https://www.herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/herzrhythmusstoerungen/vorhofflimmern/vorhofflimmern-behandlung-katheterablation